Unterwegs.
Ich stehe am Bahnsteig und widerstehe der Versuchung in den einfahrenden Zug, der mich nach Hause in mein Bett bringen könnte, zu springen. Am liebsten täte ich genau das: ein Sturm ist angekündigt, und stürmen tut es auch in mir. Turbulent war es bei der Arbeit, wo ich dem Top-Management mitteilen musste, dass eine nicht-existente Abteilung aufgrund von Kündigungen und nicht verlängerten Verträgen den Betrieb leider nicht aufrecht erhalten kann. Ich leite diese Abteilung. Eine Antwort habe ich zwar noch nicht bekommen, aber immerhin gleich Vorschläge unterbreitet, wie man – bis mehrere neue Kollegen gefunden und eingestellt sind – die Aufgaben umverteilen kann.
Ich warte, bis die Bahn in Richtung Schwimmbad einfährt und steige ein. Spät sei ich dran, stellt meine 80-jährige Freundin mit der pinken Badekappe fest, sie ist bereits in der Umkleide. Sie wäre extra etwas früher gekommen wegen des Sturms. Draußen herrsche die Ruhe vor dem Sturm, sage ich und wünsche ihr einen sicheren Heimweg.
Die Ruhe ist weg, der Sturm ist da, als ich ins Außenbecken möchte. Wellen kringeln sich auf dem Wasser, Blätter wirbeln durch die Luft, der Regen hat eingesetzt. Ich entscheide mich für das Innenbecken, in dem nur ein Schnellschwimmer und zwei Rentner plaudernd am Beckenrand zu finden sind. Schnell schwimme ich heute auch, ich verarbeite die Ärgernisse des Tages. Positive thinking, mahne ich mich – das Becken gehört mir fast allein, die Beleuchtung bringt zumindest etwas Glitzer, und als ich aufbreche, hat der Regen aufgehört. Zuhause mache ich mir einen Kaffee und schaue aus dem Fenster. Die Gartenzwerge im Garten unter mir hat es erwischt, sie liegen leblos im schlammigen Beet.
Nachtrag: ich amüsiere mich über mich selbst, während ich das schreibe. Irdische Dinge sollten mich eigentlich nicht mehr aus dem Gleichgewicht bringen. Es geht hier nicht um Leben und Tod.

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