Das Kind kotzt, sage ich hilflos zu der Verwandtschaft, die um 22.30h im Pyjama vor die Haustür guckt, und deute auf das Häufchen Elend, das, den Kopf in der Tüte, gekrümmt in der Hecke liegt. Es wird gerettet.
Statt eines Donnerwetters – und mir ist es unangenehm, das Kind in einem derart desolaten Zustand nach Hause zu bringen – nimmt es die Verwandtschaft gelassen; sie kennen ihr Kind. Natürlich tut es uns ziemlich leid.
Das Kind sass bereits am Gare de l’Est stumm, bewegungslos und mit geschlossenen Augen auf der Wartebank. 5,5 Stunden im TGV verliefen ebenso, ich ernte böse Blicke der Mitreisenden, die vermutlich denken, dass ich eine Rabenmutter bin. Bis auf Wasser hat es alles ausgeschlagen und will auch nicht angesprochen werden.
Ich hole mein Buch aus dem Rucksack und lese. Was bleibt mir anderes übrig.
Beim späten Abendbrot fängt es wieder an zu essen und zu sprechen. Und am nächsten Tag, dem Tag meiner Abreise, will es sogar schon wieder mit mir verreisen, Asien täte ihm gefallen…
Im nächsten Jahr ist erstmal die Schwester für den Urlaub mit der Tante an der Reihe, die sei auch robuster, meint die Verwandtschaft. Sie fahre überall mit mir hin, sagt der Zwilling, und ich freue mich schon auf einen Mädelsurlaub.
Dann gucken wir zusammen die Disneyfotos an, und der Urlaub erhält vom kotzenden Kind 10 von 10 Punkten. Die Anreise -1 von 10. Das kann ich ihm auch nicht verübeln. In ein paar Jahren können wir da hoffentlich drüber lachen.


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