Epilog – Bad Sachsa

Vielleicht steht jedes Vergissmeinnicht für eine Kinderseele, die an diesem Ort verloren gegangen ist. Ich habe (m)eines gepflückt und zuhause in ein Everest-Buch gelegt, einem meiner Lieblingsorte, weit weg.

Vielleicht hat die Natur für jedes Kind hier ein Vergissmeinnicht spriessen lassen, denn die Natur vergisst nicht.

Nur an diesem Ort haben wir die kleinen blauen Blümchen entdeckt, ganz so, als ob sie wüssten, dass sie genau dort gebraucht werden.

Ich mag den Gedanken, dass der schöne herzförmige Kristall am Fusse der alten Kastanie ruht.

Ich mag nicht, dass die drei Gebäude des Heimes bereits viermal Brandstiftern zum Opfer fielen, das letzte Mal vor zehn Tagen. Das ist keine Lösung. Sowohl der nichtssagende Artikel in der lokalen Zeitung als auch die Tatsache, dass weder der Tatort abgesperrt noch nach Zeugen gesucht wird, sagt alles: man will nichts aufklären. Man will sich nicht erinnern. Man will den Deckmantel des Schweigens über einen Ort legen, an dem jahrelang Kindesmisshandlung gebilligt wurde.

Wir vergessen nicht, flüstern die blauen Blümchen und blühen.

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