Tag 5
Irina.
Irina ist unsere Reiseleiterin. Sie ist Ende 40, prämierte Deutschlehrerin – sie hat auch schon beim Treffen von Annalena Baerbock für den usbekischen Aussenminister übersetzt – und Reiseleiterin.
Irina hat kurze blonde Haare, blaugraue Augen und ist quirlig und humorvoll. Sie steht auch schon mal abends im Reisebus und singt uns das Lied vom Bodensee vor, ein Kalauer für trinkfeste Genossen. Sie versteht die Kunst, Fachwissen über Usbekistan mit persönlichen Geschichten aus ihrem Leben zu mischen, und so ist das Land, das einem so fern ist, auf einmal ganz nah und greifbar.
Sie bringt den Töpfer und auch den Maler, den wir in seiner Malschule besuchen, zum lachen, obwohl die Usbeker tendenziell eher ernst dreinschauen. In der Gräberstrasse von Samarkand setzt sie ein rotes Glitzerhütchen auf und erzählt uns Märchen von Scheherazade.
Sie rührt uns mit Geschichten aus ihrer Kindheit, wo der Vater, um dem deutschen Austauschschüler etwas bieten zu können, nach Kasachstan fährt um Cola zu kaufen und nach Kirgistan, um Käse zu besorgen. Sie erzählt, wie das deutsche Mädchen Schuhe gucken wollte und es im Geschäft nur klobige Einheitsschuhe gab. Ihre Salamander-Schuhe hat der Vater nur durch Beziehungen bekommen.
Heute stehen wir mit Irina im strömenden Regen vor dem Mausoleum eines Sufis, der Regen kann ihr nix antun, sie lacht und präsentiert fröhlich die Fakten. An der Karawanserei an der Alten Seidenstrasse wird Picknick ausgepackt, es gibt grünen Tee, Samsa mit Kürbis und Kekse, bei Usto Davron malen wir selbst Aquarelle mit Granatäpfeln, sie verbietet uns scherzhaft, auf dem Weg zum Hotel auf dem Basar stehenzubleiben und erzählt uns beim Dinner, dass sie heimlich mit der Töpfersfrau Cognac getrunken hat.
Irina steckt uns mit ihrer Fröhlichkeit und ihrer Leichtigkeit an, und als ein Bekannter sie fragt, was sie denn morgen mit uns machen würde, wenn es weiter so sehr regnet, lacht sie und sagt, dass wir natürlich trotzdem Buchara besichtigen werden. Ein (virtueller) Vodka auf Irina!











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