Tag 1
Über mir ist es schwarz wie die Nacht, am Horizont verläuft ein gelber Streifen, unter mir ist es grau und düster: Eisschollen, die sich aufeinandertürmen, das schwere Meer oder sind es wilde Wolken? Es könnte alles sein, oder auch nichts.
Kalte, klare Luft strömt in den Flieger, als sich die Türen öffnen. Ansonsten herrscht Dunkelheit in Tromso, nur die Mittagszeit wird in subtiles Dämmerlicht gehüllt: Polarnacht.
Zum zweiten Mal stehe ich heute in der falschen Schlange an: Um 6 Uhr haben mich die luftig gekleideten Menschen irritiert, die nicht wie ich in Arktisoutfit nach Tromso sondern nach Malaga fliegen wollten. Nun fragt mich der Passkontrolleur, wo ich denn hin möchte. Nach Tromso ins Hotel, antworte ich und werde aus der Reihe der Wartenden nach Svalbard ausgemustert.
Es stürmt. Das Glockengeläut der Eismeerkathedrale weht über das Meer, eine Kette schneebedeckter Berge umschmiegt die graue See, die gelben Lichter der Häuser und der Weihnachtsbeleuchtung tanzen durch die Dunkelheit.
Ich fühle mich heimisch, auch wenn die ewige Nacht irritierend und die vereisten Wege gefährlich sind. Nur die Storgata ist beheizt und somit eisfreies Gebiet.
Abends setzt der Schneesturm ein; dicke Flocken fliegen um die Strassenlampen, erhellen die Stadt und versuchen, die Aufgabe der fehlenden Sonne zu übernehmen.
die ganze Reise unter: https://travelpoetry.blog/tromso/


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