1.12.2017

Antarktis. Tag 7

Um 8.00h sitzen wir im Zodiac und steuern die Brown Station an. Etwas fehlt: kein Wind, keine Wellen. Die Station ist unbewohnt, um uns herum sind riesige Gletscher, die kalben. Es klingt wie dumpfes Donnergrollen, sonst ist es still.

Ein paar Chinesen kugeln im Schnee einen Hang hinunter, ungeachtet der Tatsache, dass wir den schmalen Pfad aufgrund der Gefahr, die unter dem Schnee lauert, nicht verlassen dĂŒrfen. Als ich aus Versehen einen halben Meter neben dem Weg gehe, rufen und winken sie mir zu, um mich zu warnen. Mein Leben scheint ihnen wichtiger zu sein als das ihrer Landsleute. Auf der Fahrt zurĂŒck zum Schiff beobachten wir Kormorane.

Die KabinentĂŒren auf Deck 3 stehen offen, schrĂ€g gegenĂŒber ist die chinesische WĂ€scherei wieder in Betrieb.

Hausbootfeeling.

Ich gehe in die Club Lounge und treffe meine California Girls. Ich liebe unsere Konversationen, wir haben viele Gemeinsamkeiten und Spass miteinander. Stelle fest, dass mein Dresscode bei Jogginghose und Ski-Unterhemd gelandet ist. FĂŒhle mich wie zuhause.

C. deutet auf die Chinesen, die gerade einen Reiskocher aufbauen. Auch sie scheinen sich wie zuhause zu fĂŒhlen.

Die Durchquerung des Lemoire Channels verbringe ich wieder auf der BrĂŒcke. Schneesturm (mal wieder), im Grau um uns herum mache ich riesige Berge und Gletscher aus. Ein Wal taucht kurz auf und verschwindet wieder in den Tiefen des Meeres.

Die Ankunftszeit fĂŒr Port Lockroy verzögert sich: vor uns Eisberge, die den Weg versperren. Das Eis schmiegt sich immer dichter an die Sea Spirit. Port Lockroy ist eine ehemalige Basis der Briten, die heute ein kleines Museum ist. Unsere Postkarten stecken wir dort in den Briefkasten und sind gespannt, ob und wann die Karten ankommen. God save the Queen – and our mail.

Auf dem Weg zurĂŒck zum Zodiac fĂ€ngt es wieder an zu schneien, das Szenario hat etwas weihnachtliches.

Beim Abendessen landen die California Girls beim Thema Brustkrebs. Ich oute mich. Und bin angetan, wie sachlich – aber auch gefĂŒhlvoll – wir darĂŒber sprechen. Und dann zum nĂ€chsten Thema ĂŒbergehen. Ich vergesse den Krebs nicht, rĂ€ume ihm aber kaum mehr Platz ein wie die tĂ€gliche Einnahme der Tamoxifen-Tablette dauert. Viel Sport und gesunde ErnĂ€hrung sind feste Bestandteile meines Lebens, genauso wie die regelmĂ€ssigen Nachsorgetermine. Ich habe meinen Frieden gefunden.

Antworten

  1. Avatar von Ut

    Ich verfolge deine Reise mit Begeisterung. Die Bilder sind hammer! Beim Anblick fange ich jedoch an zu frieren 🙂

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    1. Avatar von Der Feind in mir

      es ist gar nicht so kalt ❄ trage mehrere Schichten und bewege mich Ă€hnlich unbeholfen wie die Pinguine 🐧

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  2. Avatar von Bert

    Ich bin nach wie vor hin und weg.

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    1. Avatar von Der Feind in mir

      ich auch 😍

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  3. Avatar von Tanja

    Wie wunderbar du die Stimmung einfĂ€ngst! Ich hab sofort Bilder vor Augen, die sicherlich anders sind als deine Wirklichkeit, aber lebendig genug, um eigene GefĂŒhle zu projizieren.

    In Sachen Brustkrebs bin ich dir ĂŒbrigens einige Monate hinterher, anders als du hatte ich neoadjuvante Chemo. Mein Weg ist chemobedingt weiter als deiner und ob ich jemals ein Abenteuer erleben darf wie deines, steht in den Sternen. Aber Frieden finden und dem Brustkrebs nur kurze Momente einrĂ€umen, das ist auch mein Ziel.
    Danke fĂŒr die Inspiration!

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    1. Avatar von Der Feind in mir

      ❀ ich freue mich sehr, dass Du mit mir auf Reise gehst und Dich zumindest aus der Ferne ĂŒber die Schönheit der Antarktis freust. Mir ist bewusst – und ich bin dankbar, dass mir das erspart blieb – das eine Chemo nochmal ein anderes Kaliber ist als OP/Strahlentherapie/Medikamente. Ich habe grossen Respekt vor meinen Mitstreiterinnen, die diesen Weg gehen mĂŒssen. Ich wĂŒnsche Dir, dass Du nicht zu viele Nebenwirkungen hast und nicht ins GrĂŒbeln gerĂ€tst. Ziel ist es, zu leben und jeden schönen Moment – und das können auch kleine Dinge sein – zu geniessen. 😘

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  4. Avatar von Schon wieder Krebs?

    Unglaublich, dieses Foto! Ich hab GÀnsehaut beim Anblick! Du hast es so unfassbar schön dort! Ich freu mich voll mir dir, dass du diese Reise machst.

    Alles Gute und Liebe aus den österreichischen Bergen! (Meine Reha geht zu Ende und Dienstag fahr ich wieder zurĂŒck nach Wien.)

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    1. Avatar von Der Feind in mir

      Lieben Dank – es ist die wohl schönste Reise, die ich je gemacht habe (und ich bin sehr reisefreudig). Ich hoffe, Deine Reha war gut! LG 😘

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  5. Avatar von SurvivorOfProstitution

    Wooow, das ist sooo schön und ich finde es toll, wie du mit deinem Krebs umgehst!

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    1. Avatar von Der Feind in mir

      lieben Dank. Ich kann mich auch glĂŒcklich schĂ€tzen: ich bin jetzt krebsfrei.

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