Unterwegs.
a. Neujahrskonzert?
b. Neujahrsskispringen?
c. Neujahrsspaziergang?
Ich entscheide mich für Antwort d., packe den Doutzen Kroes I – Bikini in meine Cote D’Azur-Strandtasche und mache mich auf zum Neujahrsschwimmen.
Ob ich die Einzige sei, frage ich die Dame an der Kasse, die sich heute für’s Schwimmen entschieden hat. Hören tu ich weder kreischende Kinder noch arschbombende Familienväter. Fast, antwortet sie. Ich freue mich, dass kaum jemand auf die Idee gekommen ist, das neue Jahr mit einem Besuch im Schwimmbad einzuläuten.
Das älteste und schönste Bad Hamburgs, das 1893 gebaut wurde und sich in einem großen roten Klinkerbau befindet, ist leer. Gerade mal eine Handvoll Mitschwimmer ziehen ihre Bahnen, zwei Kinder planschen an der Seite.
Nach einer halben Stunde mache ich mich auf ins Aussenbecken. Ein kalter Wind weht mir ins Gesicht, das Wasser dampft und zieht im Einklang mit den Wolken am Himmel über den Pool. Auf der Schnellbahn, die durch eine rot-weiße Plastikkette abgetrennt ist, sind gerade mal zwei Schwimmer unterwegs. Im Kopf-über-dem-Wasser-Schwimmer-Bereich sind es drei Enthusiasten – mit mir – , die der kühlen Witterung trotzen. Neulich hatten die Bäume noch bunte Blätter, denke ich. Nun haben sie ihre Blätter komplett verloren, die kahlen Äste und Zweige wirken wie dunkle Skelette, hinter denen ab und an die Sonne hervorkommt. Die Banner am Ende der Bahn sind ausgeblichen, die fahlen Rot, Blau- und Weißtöne harmonieren mit dem Wasser und der Plastikkette im Pool. Durch den Dampf sind die Schnellschwimmer zu erkennen, deren Arme beim Kraulen das Wasser aufwirbeln.
Ich atme tief durch, während ich mich durch diese melancholisch-morbide Szenerie bewege. Im Sommer wird der abgesperrte Bereich geöffnet sein, dahinter sind die Liegewiesen und die 50-Meter-Bahnen, die jetzt ohne Wasser sind. Ich freue mich auf die Freitage im Frühling, dann werde ich hier wunderbare Nachmittage verbringen.

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