Unterwegs.
Das Restaurant in Westerland, in das ich eigentlich gehen wollte, hat geschlossen. Klar, denke ich, es würde auch nicht passen, wenn ein Restaurant, das sich „Badezeit“ nennt, im Januar geöffnet hätte. Ich mache mich auf den Weg zur Alternative, die ich mir schon am Nachmittag ausgeguckt habe. Jetzt ist es dunkel, es giesst in Strömen, während ich am Strand bei Windstärke 7 gegen den Sturm ankämpfe. Dann noch die Düne rauf, und ich stehe klatschnass vor der Bedienung, um mir einen Tisch zuweisen zu lassen.
Wenn ich allein im Restaurant esse, habe ich grundsätzlich ein Buch oder eine Zeitschrift dabei. Hier ist es duster, die Beleuchtung ist spärlich, und mit der Kerze auf dem Tisch kann ich kaum die Speisekarte lesen. Den Gästen an den Nachbartischen geht es ebenso. Allerdings haben sie ihre Kameraden zum Plaudern dabei.
Ich bestelle und lasse meinen Blick durch den Raum schweifen, bis er an der Wand gegenüber hängen bleibt. Dort, über einem Tisch, an dem zwei Frauen sitzen, sitzt im Knick zwischen Wand und Zimmerdecke eine Nacktschnecke. Jedenfalls sieht es so aus, als sässe dort eine Nacktschnecke. Ich weiss nicht, ob das der richtige Ort und die richtige Jahreszeit für diese glitschigen Tiere ist. Vielleicht ist es auch nur ein Riss oder ein Fleck, der sich im flackernden Kerzenschein bewegt. Fragen mag ich niemand. Meinen Blick abwenden kann ich allerdings auch nicht. Macht auch nichts, lesen geht ja nicht. Und sie bewegt sich doch.
Am nächsten Morgen hat der Regen, der nachts durchgängig gegen die Fenster geprasselt ist, aufgehört. Der Sturm ist geblieben. Die Wellen türmen sich auf und werfen sich wütend an den Strand. Ich bleibe stehen und schaue fasziniert zu, bis ich von ihrer Schnelligkeit überrascht werde und lachend zurückstolpere, um ihnen knapp zu entkommen. Das Salz auf den Lippen bleibt.

Hinterlasse eine Antwort zu Der Feind in mir Antwort abbrechen