Unterwegs.
Mein Taiji-Lehrer sitzt im verwunschenen Garten des Psychologenhauses auf dem Stuhl und schaut mir zu, wie ich die 19er Form laufe. Ein Phänomen sei ich, so sein Statement, während mir bei 33 Grad der Schweiss den Rücken herabrinnt. Ein Phänomen nicht nur deshalb, weil ich als Einzige von den Schnupper-Kursen aus dem Reha-Zentrum drangeblieben und zu den langjährigen Schülern in die feste Klasse gewechselt bin, sondern auch, weil ich vieles durch Beobachtung gelernt habe. Wobei ich noch an den Wechseln von der äusseren zur inneren Form arbeiten muss. Aber auch das werde ich hinbekommen.
Der Dienstag-Unterricht steht unter dem Motto ‚Wünsch-Dir-Was‘. Die beiden Mitstreiter wünschen sich die 75er-Form und gehen in den Nachbargarten, ich bleibe mit der 19er-Form und meinem Lehrer zurück. Weiter hinten unter den Bäumen spricht ein Psychologe mit seinem Patienten. Es duftet nach Rosen.
Trotzdem versuche ich, mich in den 120 Minuten nicht zu überanstrengen; eigentlich darf ich heute keinen Sport machen, da ich die erste von drei Tollwut-Impfungen bekommen habe. Eine wirtschaftliche Entscheidung, diese Impfung zu machen, meint der Arzt im Impfzentrum. Eine intelligente Entscheidung, meine ich. Nachdem ich im letzten Jahr nicht an Krebs gestorben bin, möchte ich nun nicht an einem Katzenkratzer oder Hundebiss in Tibet sterben. Und der Tod ist nach einem Tollwutkontakt ohne Impfung 100% sicher. Da zahle ich lieber die Euro 255,-. Das ist mir mein Leben wert. Mindestens.

Hinterlasse einen Kommentar