Zuhause.
Ich stehe vor verschlossener Tür. Mein Hausarzt hat Urlaub.
Seit vier Tagen liege ich im Bett. Grippaler Infekt. Das hat mir gerade noch gefehlt, wo ich mitten in den Abreisevorbereitungen für Tibet stecke. Auch wenn Kopf- und Halsschmerzen bereits wieder weg sind, bin ich nonstop am husten und schnupfen. Ich fühle mich schwach.
Die Dame in der Taxizentrale fragt, ob ich heute mit oder ohne Kundennummer fahre. Ohne, antworte ich. Zum Glück. Ich muss ja nur zum Vertretungsarzt, da ich eine Krankschreibung und eventuell ein Upgrade an Grippe-Medikamenten brauche. Die Kundennummer ist ein Relikt aus dem Vorjahr, wo ich täglich zur Strahlentherapie gefahren wurde. So schlimm ist es zum Glück nicht.
Mein Hausarzt wird vom Ärztezentrum vertreten, wo ich meine Impfungen für die Reise bekommen habe. Das Wartezimmer ist voll, ich schwitze und huste und komme nach einer Stunde Wartezeit an die Reihe. Ich lege meine Diagnose dar, lasse Fieber messen und mich abhorchen und stehe mit einem Rezept und einer Krankschreibung wieder auf der Straße. Wie der Arzt hiess, der mich gerade behandelt hat, weiß ich nicht. Ob er wusste wie ich heiße, weiß ich auch nicht. Wir haben uns nicht vorgestellt.
Trotzdem bin ich dankbar, dass ich hier die Möglichkeit habe, so schnell eine ärztliche Vertretung zu finden.
Auch wenn mir meine Stammärzte – von den Hausärzten über die Nachsorge im Krankenhaus, meinem Zahnarzt, der Herzi-Ärztin bis hin zur Hautärztin – alle viel lieber sind.
Was mich aber am meisten wurmt, ist dass ich bei Sonnenschein hustend in der eukalyptus-dampfenden Badewanne liege statt nach der Arbeit im glitzernden Wasser des Freibades zu schwimmen. Sport fällt bei einem grippalen Infekt aus.
Nur abends gehe ich auf das Dach unseres Hauses. Zwischen den Fliesen spriessen Blumen und Gräser, ich laufe langsam meine Taiji-Form. Über mir die kreischenden Möwen. Und ein blauer Himmel.

Hinterlasse eine Antwort zu Doris Eckert Antwort abbrechen