Unterwegs.
Nächste Woche bringt ihr bitte Eure Kalender mit, ruft die Trainerin. Soeben habe ich verkündet, dass einige Herzis sich einen Tibetvortrag gewünscht haben. Auch unsere Trainerin möchte dabei sein, da sie aber mittwochs nach dem Herzsport noch die Prellballgruppe betreut, müssen wir einen anderen Termin suchen. Heute sind die aktiven Herzis zusammengeschrumpft: T. sitzt auf der Bank mit einer Zerrung im Fuß, H., die kleine alte Dame sitzt mit einem Spinalkanalproblem neben ihm. Auch Dr. A. hat sich zu den beiden gesellt und berät. M., der sonst immer schnaufend auf der Bank saß, ist in eine andere Gruppe gewechselt, bei der man nicht soviel laufen muss. S. möchte in eine Lungensport-Gruppe wechseln, er bekommt schlecht Luft. B. und C. sind heute auf einer Demonstration. Somit sind wir nur noch vier Sportsfreunde, die die Halle zum Federballspielen der Länge nach nutzen können. Später frage ich H., wie es ihr ginge. Nicht gut, antwortet sie. Sie bekomme jetzt Spritzen gegen die Schmerzen, die Ärzte möchten nicht operieren, da sie schon einmal eine Rücken-OP hatte und außerdem alt sei. Sie ist wütend auf ihren nicht mehr funktionierenden Körper; es fiele ihr immer schwerer, zum Chor oder ins Theater zu gehen oder gar Fahrrad zu fahren. Und so ein Schicksal der im Kopf fitten und immer interessierten H., die in den 70ern zum Trekking mit dem Alpenverein im Himalaya war. Ich hoffe, daß auch sie zum Tibet-Vortrag kommen wird.
Einen Abend vorher war ich mit C. an der Außenalster. Sie sieht aus wie immer, auch wenn wir uns ewig nicht gesehen haben. Auch ich hätte mich nicht verändert, sagt C. Man würde uns auch nicht ansehen, was uns heute Abend nach so langer Zeit zusammengeführt hat. C. erzählt von ihrer Familie, den Reisen in die USA, daß sie so gern noch Australien sehen würde und was sie mit den Töchtern noch erleben möchte. Die Abiturabschlüsse miterleben. Oder den ersten Freund. Und sie erzählt vom Krebs, der zurückgekommen ist. Und nicht mehr gehen wird. Von den Schmerzen. Von der Angst, vielleicht doch nicht mehr soviel zu erleben, wie sie gern möchte. Ich erzähle von der Arbeit, meinen Reisen in die Antarktis und zum Everest und meinem Sport- und Ernährungsprogramm. Sie lobt meine Disziplin und bereut, dass sie nicht ganz so konsequent war. Trotz der düsteren Gemeinsamkeit, die uns heute zusammengebracht hat, ist es ein sehr schöner und intensiver Abend. Außerdem haben wir mit einem Glas Sekt angestoßen. Auf uns. Und auf das Leben.
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