Logbuch Israel – Tag 11
Es ist 7.50h. Wir stehen im GedrĂ€nge und im strömenden Regen vor der Sicherheitskontrolle, die das jĂŒdische Viertel vom Tempelberg trennt. Der Tempelberg ist das Heiligtum der muslimischen Welt, hier stehen die Al-Aqsa-Moschee und der Felsendom, dessen goldene Kuppel eines der prĂ€gnantesten Wahrzeichen von Jerusalem ist.
Wir mĂŒssen unsere Taschen ausleeren, GebetsbĂŒcher und KultgegenstĂ€nde anderer Religionen dĂŒrfen nicht mit zum Tempelberg. Am Tempelberg brechen öfters Unruhen aus; Juden wurde das Zelebrieren von Schlachtopfern auf dem Tempelberg verboten, was Teil einer liturgischen Ăbung zum Bau des Dritten Tempels sein sollte. Auch hat man bereits die PlĂ€ne fĂŒr den Bau sowie die Innenausstattung organisiert. Ein schwerer marmorner Grundstein fĂŒr den neuen Tempel wurde bis zur Stadtmauer transportiert: den Grundstein wollte eine Gruppe fundamentalistischer Juden auf dem Tempelberg vergraben. Dass das von der arabischen Welt nicht geduldet wird, war vorhersehbar. Vorsorglich hat man den Felsendom StĂŒck fĂŒr StĂŒck abfotografiert, um ihn im Ernstfall – eine Sprengung – wieder aufbauen zu können.
WĂ€hrend wir im Regen warten, zieht eine jĂŒdische Familie an uns vorbei, lachend und tanzend, sie singen Hevenu Shalom Alechem und werden von Musikern begleitet. Die Gruppe ist auf dem Weg zur Klagemauer, wo sie heute Bar Mitzvah feiern werden.
Jeden Tag gibt es eine kleine Ăberraschung von der Reiseleitung: mal ist es frischer Granatapfelsaft, mal arabisches Sesambrot mit salzigem Sanar-GewĂŒrz zum dippen, heute sollte es eigentlich das lang ersehnte Eis werden. Wir stehen mittlerweile vor der Klagemauer (enttĂ€uschend auf der Seite, wo die Frauen hindĂŒrfen), nicht nur die Temperaturen sondern auch die Stimmung geht ihrem Tiefpunkt entgegen. Wann können wir zurĂŒck zum Bus? wird nicht nur ein Mal gefragt. Eis möchte niemand mehr. Die Reiseleiterin lĂ€dt uns in ein kleines CafĂ© ein, meine kalten Finger umschliessen die Kaffeetasse, die endlich etwas WĂ€rme bringt. K. und ich teilen uns (mal wieder) ein sehr leckeres StĂŒck Kuchen, das aus ParanĂŒssen, WalnĂŒssen und Schokolade besteht und warm aus dem Ofen kommt.
Ich habe Bedenken, mich zuhause auf die Waage zu stellen; meine Outdoor-Hose, die ich eigentlich fĂŒr schlechtes Wetter dabei hatte, musste bereits unangezogen im Koffer bleiben, da weder der Knopf noch der Reissverschluss zugehen.
Auf einem Berg in der NĂ€he der Stadt gibt es ein letztes Glas Rotwein (ich verzichte), dann geht es Richtung Tel Aviv und zum Flughafen.
Der Flug von Tel Aviv nach MĂŒnchen hat ĂŒber 30 Minuten VerspĂ€tung, als wir landen, habe ich noch 10 Minuten bis zum Boarding der Anschlussmaschine nach Hamburg. Aus meiner Reisegruppe bin ich die Einzige aus Hamburg; ich spurte mit zwei jungen Israelis, die eine Reihe vor mir im Flieger gesessen haben, los. Ab und an treffen wir auf Flughafenpersonal, die Gate-Ănderungen unseres Fluges hochhalten und hektisch in die eine und die andere Richtung zeigen. Wir passieren zwei (!) Ausweiskontrollen und eine Kontrolle fĂŒrs HandgepĂ€ck, ich laufe weiter und weiter, ich schwitze und bekomme kaum noch Luft. Am Gate ist niemand mehr zu sehen, aber das LesegerĂ€t nimmt mein Ticket noch an, ich renne zum Flieger, geht der nach Hamburg? Ja, antwortet die Stewardess, dann lasse ich mich in Reihe 5 auf meinen Platz fallen. Ich bin am Ende.
Nach 10 Minuten erscheinen meine israelischen Sportskollegen, sie blicken mir anerkennend entgegen. First, rufe ich. Die Daumen gehen nach oben. Meine Stimmung auch. Als Belohnung fĂŒr diese sportliche Höchstleistung bestelle ich ein halbes Glas Weisswein und esse die kleine TĂŒte mit den Chips.
Morgen geht es auf die Waage. Und auf den Isemarkt um GemĂŒse und Obst zu kaufen.





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